Der Sinn des Lebens

Der Sinn des Lebens: Mit fliegenden Autos über die Depressiven?

Überrollt

Dem Tempo und den Ansprüchen dieser Zeit können mehr und mehr Menschen nicht folgen. Du musst dich immer weiterbilden und du solltest bitte erreichbar sein und Ansprüchen gerecht werden und dies und das schaffst du auch noch. 10 Kinder in der Kita-Gruppe, dabei einer, der mit Stühlen schmeißt? Ach, das musst du einfach packen.

Überrollt werden Erwachsene wie Kinder. 2016 waren laut Arztreport der Barmer 25% der jungen Leute zwischen 18 und 25 Jahren von psychischen Erkrankungen betroffen. Fünfundzwanzig Prozent! 1,9 Millionen junge Menschen, die ins Leben als Erwachsene starten wollen. Als Gründe gelten Zeit- und Leistungsdruck, finanzielle Sorgen, Zukunftsangst. 1,9 Millionen Einzelschicksale. Wie und wann sollen sie zur Ruhe kommen? Der Druck bleibt. Das Geld sprich Einkommen muss stimmen. Einfach mal ruhig treten geht nicht. Und was ist der heute erlernte Beruf morgen wert bei dieser rasenden Entwicklung? Aber wir haben keine Zeit, darüber nachzudenken, es muss ja schnell weitergehen.

Der Staffelstab

Auffällig ist der Anstieg der Zahl von Kindern und Jugendlichen, die wegen Depressionen in Krankenhäusern behandelt werden. Und schon jetzt erleben rund 3,8 Millionen Kinder einen Elternteil mit psychischer Erkrankung. Das Risiko für diese Kinder, im Laufe des Lebens selbst eine psychische Störung zu entwickeln, liegt zwei bis zehn Mal so hoch wie beim „normalen“ Aufwachsen.

Also: Es gibt mehr psychisch kranke junge Leute, von denen viele selbst Kinder bekommen wollen. Diese Kinder haben ein hohes Risiko, selbst psychisch zu erkranken – und bekommen irgendwann auch wieder Kinder mit „Auffälligkeiten“. Um „schwierige“ Kinder müssen sich Kita und Schule intensiver kümmern, ohne dass die anderen Kinder zu kurz kommen. Aber schon heute werden Erzieher und Lehrer vor immer neue Herausforderungen gestellt. Sie arbeiten schon längst an der Belastungsgrenze. 2014 litten 30% der Erzieher und Lehrer an Burnout und Erschöpfung (1). Der Stress für alle Beteiligten wird nicht weniger – wo soll das enden? Unter den Rädern des unaufhaltsamen Zuges Richtung Zukunft?

Höher, schneller, weiter?

Es sind seltsame Zeiten: Wir hetzen mit selbstständig navigierenden Siebenmeilenstiefeln der Zukunft entgegen für Dinge, die man eigentlich nicht wirklich braucht und lassen Menschen dafür links liegen, die einfach nur Menschlichkeit bräuchten statt fliegender Autos oder sprechender Kühlschränke.

Welchen Zug wollen wir eigentlich erreichen? Es leuchtet ja ein, dass man die Beine in die Hand nimmt, wenn am Abend der letzte Zug Richtung Heimat fährt. Aber welche Richtung haben wir in und mit dieser Welt? Was ist das Ziel dieses ständigen Wettlaufs? Es muss alles immer schneller und besser gehen. Wir müssen besser sein als die Chinesen und die Amerikaner und die Inder und die Brasilianer. Die müssen besser sein als wir und die anderen. Wir liefern uns einen Wettstreit und Wirtschaftswachstum – aber wo ist das Endziel? Auf was arbeiten wir so hektisch hin bzw. werden dazu genötigt, uns so einen Stress zu machen? Wir verbrauchen bei diesem irrsinnigen Rennen Unmengen an Rohstoffen, verdrecken die Meere, heizen das Klima an, roden den Amazonas, als gäbe es keine Kinder und Enkel und Urenkel. Gut, diese könnten eines heißen Tages aus den fliegenden Autos einen besseren Blick auf das werfen, was unsere Generationen so vollbracht haben. Wenn morgen die Autos fliegen, werden wir weitermachen, immer weiter. Fragt jemand, warum die Autos abheben müssen? Warum muss es morgen sein? Sieht jemand nach hinten, ob die „Langsamen“ auch noch irgendwie folgen können? Ob Sie Hilfe brauchen?

Quelle: (1): http://www.sueddeutsche.de/bildung/studie-zu-burn-out-bei-paedagogen-hoellenjob-lehrer-1.1932745