Der Schwarze Fleck

Der Schwarze Fleck

Die Quelle

Wir lernten eine Frau kennen, Mitte 30, schrieben mit ihr ein Jahr lang über Gott und die Welt. Absolut nichts deutete darauf hin, was sie eines Tages erzählen sollte. Als sie von einem „schwarzen Fleck“ schrieb, der sie durchs Leben begleitet, glaubten wir an irgendetwas Lustig-peinliches. Doch als sie ihn genau beschrieb, verging uns sofort jegliches Lächeln. Die Worte „schwarzer Fleck“ erinnerten an „schwarzes Schaf“ und klangen deshalb, als hätte sie etwas falsch gemacht, als wäre sie schuld. Doch das hatte sie ganz sicher nicht und sie meinte es auch nicht so. Ihr schwarzer Fleck hatte sich nicht einfach so gezeigt, so wie sich auch bei anderen die schwarzen Flecken selten offenbaren.

Eins kommt zum anderen

In unserer Nähe gibt es einige kleine und große Teiche. Einer davon heißt „Schwarzer Teich“.

Der Schwarze Teich im Wandel der Jahreszeiten

Um Wanderern ein Ziel zu geben, wurde eine klitzekleine Geschichte für ihn erdacht. Jeder, der sich an diesem Gewässer niederlasse, werden von Melancholie ergriffen, so manche Träne fließe. Doch wenn du dich erhebst, um weiterzuziehen, wirst du dich leichter fühlen. Ein schöner Gedanke, wie wir fanden. Ein Teich, gleich einem offenen Ohr, dem du selbst deinen schwarzen Fleck anvertrauen kannst und du dich danach freier fühlst. Wenn es nur so einfach wäre …

Der Schwarze Fleck über das Jahr

Licht&Schatten – Leben&Stille

Der Schwarze Teich hat viele Gesichter. Im Frühling und im Sommer, bei blauem Himmel, ist er einfach ein wunderbares Ausflugsziel, wenn du Ruhe suchst. Menschen siehst du hier selten. Noch seltener gehen Hunde baden, auch mal ein Pferd.

Ein Pferd im Schwarzen Teich

Im aufgewirbelten, flachen Wasser schwimmen viele Fische, vor allem Rotfedern. Die Stille, die den Teich umgibt, wird manchmal durchbrochen von großen Fischen, die kurz aus dem Wasser springen und auf selbiges klatschen. Nur an den Wellen erkennst du, wo gerade einer gesprungen ist. Auch ein Entenpärchen ist öfters da und teilt den Teich ungern mit anderen, obwohl es Platz genug gäbe. An zwei, drei Tagen im Frühjahr herrscht reges Frosch-Treiben. Mit der Stille ist es kurz vorbei. Im Mai tauchen die ersten, noch zarten Libellen auf, später werden sie größer – und hin und wieder handzahm.

Ein Stück entfernt im Wald gibt es eine Stelle im Dickicht, wo oft ein Reh liegt. Nur siehst du es nie vor lauter Gestrüpp. Du hörst es nur flüchten, wenn du der Stelle zu nah kommst. Gleich nebenan könntest du ein Eichhörnchen auf die Palme – bzw. auf die Tanne bringen, von wo aus es sich über deine Annäherung lautstark beschwert.

Eichhörnchen am Teich

Im Herbst spiegeln sich bei Sonnenschein die bunten Laubbäume im Wasser. Verschwindet die Sonne, bekommt der Teich ein anderes Gesicht, erst recht, wenn die Bäume ihre Blätter verlieren. An grauen Tagen kann dich das Gefühl der Melancholie packen. Die Chance, auf andere Menschen zu treffen, ist an diesen Tagen noch geringer. Der ganze Teich gehört dir. Die Stille ebenso. Ohne Sonnenlicht siehst du im schlammigen Wasser keinen Fisch. Das Entenpärchen ist verschwunden, nichts hier scheint mehr zu leben. Von der hektischen Welt bist du unendlich weit entfernt. Steigen aus dem Teich Nebelschwaden auf, wird es so richtig mystisch.

Nebel über dem Schwarzen Teich

Überzieht der Winter den Teich mit Eis, wandelt sich sein Gesicht erneut. Nun schlägt das Wasser keine Wellen mehr. Still und starr ruht der See. Und scheinbar auch die Zeit. Mit viel Glück kannst du am gegenüberliegenden Ufer einen Reiher sehen. Ansonsten hat sich alles Leben schlafen gelegt. Du fühlst dich einsam, der Welt entrückt. Nichts lenkt dich ab von deinen Gedanken. Deine Tränen würden auf dem Eis gefrieren – und mit den ersten Sonnenstrahlen tauen. Sie würden sich auflösen, als klitzekleine Wolken nach oben steigen und eines Tages als Tropfen oder Schneeflocke zur Erde fallen. Was daraus wird? Lass Deiner Fantasie freien Lauf.

Tropfen auf Blüte

Tränen haben immer einen Grund. Mit Freude als Anlass können wir bestens leben. Der Verlust eines Menschen, der eine große Rolle in unserem Leben spielte,  stürzt uns hingegen in ein Tal, in welchem wir zu ertrinken drohen. Tränen aus Verzweiflung, nicht mit dem Leben klarzukommen, sind nicht weniger angenehm – und sie können zum dauernden Begleiter werden. Um diese Tränen kümmern wir uns auf dieser Seite.